Theorie der Kreativen Felder

 

Fuldaer ZukuntsSalon:

Kreative Felder - Das Geheimnis erfolgreicher Persönlichkeiten und Regionen. Aufzeichnung eines Vortrags von Prof. Dr. Olaf-Axel Burow vom 07. Mai 2013 aus dem Fürstensaal in Fulda

http://www.mediathek-hessen.de/index.php?ka=1&ska=medienview&idv=6762

 


Ein Modell zur Entwicklung kreativer Teams

Ausgangspunkt unserer Theorie der Kreativen Felder ist eine Kritik am Genie-Begriff und der zu einseitig beschränkte Blickwinkel auf einzelne Personen bei kreativen Prozessen. In Bezug auf die Kreativitätsforscher Csikszentmihalyi und Gardner sowie auf die moderne Netzwerkforschung (Christakis), betrachten auch wir die Leistungen herausragender Schöpfer nicht nur als Folge ihrer außergewöhnlichen Fähigkeiten, sondern auch aufgrund der Zusammenarbeit einer Vielzahl unterstützender Personen.

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Das Kreative Feld auf einen Blick

PPT-Vortrag zur Einführung

Einzelleistungen sind wichtige Elemente des kreativen Prozesses, die jedoch durch Kombination der Leistungen und Potentiale in der Summe von der Kollektivleistung übertroffen werden. Mit diesem Blickwinkel erscheint uns Kreativität “weniger als Leistung eines besonders begabten Individuums, sondern eher als Effekt besonders gestalteter sozialer und kultureller Umfelder“ (Burow 2005, S.38).

Die Entwicklung von Synergiebewusstsein und Kooperationswillen ist nicht nur eine Frage von Techniken (Synergieanalyse, Prozessorientierte Moderationsverfahren, Teambildungstechnologien u.a.), sondern vielmehr eine Frage der Haltung. Gemäß der Erfolgsformel „Ich bin gut – wir sind besser“ (Burow 2000) kann mit der richtigen Mischung der Gruppe und der richtigen Haltung der Teammitglieder, jede Person und jede Institution Kreative Felder konstruieren und damit zu überragenden Neuschöpfungen beitragen.

„Das Kreative Feld zeichnet sich durch den Zusammenschluss von Persönlichkeiten mit stark unterschiedlich ausgeprägten Fähigkeiten aus, die eine gemeinsam geteilte Vision verbindet: Zwei (oder mehr) unverwechselbare Egos, die sich trotz ihrer Verschiedenheit ihres gemeinsamen Grundes bewusst sind, versuchen in einem wechselseitigen Lernprozess ihr kreatives Potential gegenseitig hervorzulocken, zu erweitern und zu entfalten.“ (Burow 2005, S.123)

Im Rahmen unserer Feld- und Aktionsforschung haben wir bei der Betrachtung von Teamkreativität sieben Schlüsselelemente analysiert, mit denen das Phänomen und seine Wirkmechanismen beschreibbar werden: Vision- und Produktorientierung, Vielfalt, Personenzentrierung, Dialog, Partizipation und Synergieprozess sowie die Nachhaltigkeit im Sinne des Produktes und der Teamstabilität (vgl. Burow 1999, 2000, 2005, 2010; Bornemann 2011).

Zu diesen sieben Schlüsselelementen haben wir 21 Variablen beschrieben und systemisch ihre jeweiligen Einflussstärken ermittelt. Die Frage hierbei war also inwiefern die jeweilige Variable das System verändert und inwieweit die Variable auf Änderungen im System reagiert. Hierduch konnten die entsprechenden Aktiv- und Passivwerte ermittelt werden.


Das Ziel weiterer systemischer Analyseverfahren war das Ermitteln so genannter 'hochkritischer' Variablen. Hierbei handelt es sich um Elemente, die sowohl hohe Aktiv- als auch hohe Passivwerte besitzen und dadurch zu Interventionshebel im System werden. Hierbei sticht bei unserer Analyse insbesondere die Variable 'Precensing' heraus. Precensing geht auf Claus Otto Scharmers Begriffsbildung zurück (vgl. Scharmer 2009, S.170ff.). Der MIT-Managementforscher meint mit Precensing die Fähigkeit, sich zu anderen Orten des Denkens und Handelns zu begeben und dadurch kreative Verbindungen mit anderen Personen aufnehemen zu können. Precensing hebt die Unterschiede und individuellen Interessen für den kollaborativen Innovationsprozess auf und es gelingt, aus einer gemeinsamen Zukunft heraus zu lernen. Betrachtet man sich die Variable Precensing in einem Wirkungsgefüge, so werden die Rahmenbedingungen für konkreatives Handeln deutlich.

Beim Betrachten dieses Teilszenarios der Variablen des Kreativen Feldes wird u.a. die Bedeutung der Unterschiedlichkeit der Handlungsstile deutlich. Diese Heterogenität von Teamtypen (Macher, Experte, Koordinator usw.) befördert die Möglichkeit Win-Win-Koalitionen zu vereinbaren. Diese fördern wiederum die Fähigkeit aller Beteiligten zu Precensing. Ein Zuviel an Heterogenität vermindert aber diese Fähigkeit. Das liegt daran, dass zu große Unterschiede gemeinsame Innovationsprozesse zunächst behindern. Zuwenig Unterschiedlichkeit lässt jedoch keine synergetischen Beziehungen in Form von Win-Win-Koalitionen zu. Dieses Teilsezenario macht bereits deutlich, dass die Schlüsselelemente des Kreativen Feldes in einer optimierten Energiebalance zueinander stehen müssen, damit gemeinsames Schöpfertum befördert wird.

Hier finden Sie eine Auswahl an Veröffentlichungen zum Themengebiet Kreative Felder:

Zur Entdeckung des "Kreativen Feldes"

Inhalt:
-
Worum es bei der Erforschung "Kreativer Felder" geht
.
- Was haben die Musik der Beatles, der Apple PC und Microsoft gemeinsam?

- Was wissen wir über Kreativität?
 Wie der kreative Prozeß der Beatles funktionierte
, was die Beatles, Apple und Microsoft verbindet
 und kann man Kreative Felder bewußt erzeugen?

- Studien über Teamkreativität

- Entwicklung feldtheoretisch fundierter Bildungs- und Organisationskonzepte

An der Jahrtausendschwelle: Mensch, Natur, Technik vor der Versöhnung?

Inhalt:
- Bildung und Wissen als entscheidende Produktivkräfte

- Apokalyptiker contra Optimisten: Der Zeitgeist irrt immer!
- Wir leben in einer besonderen Zeit
; Krise als Chance Zukunft zu erfinden
; Schöpfungsgesetze Kreativer Felder
- Auf dem Weg zum Bio-Logischen Schulsystem?
- Mensch, Natur und Technik vor der Versöhnung?

Kreative Felder: Das Erfolgsgeheimnis kreativer Persönlichkeiten

Inhalt:
- Was wissen wir über kreative Persönlichkeiten?
- Kreativität gibt es nur im Plural
; Kristallisationskerne ziehen Synergiepartner an
- Wie Kreative Felder entstehen
; Das Jazzband-Modell der Führung
- Die Synergieanalyse
; Eine Definition des Kreativen Feldes
- Verfahren zur Schaffung von Kreativen Feldern

Der Arbeitsplatz als Kreatives Feld - Positive Kommunikation im Kollegium

Inhalt:
- Freisetzung des Organisationswissens
- Der Arbeitsplatz Schule als Kreatives Feld
- Individuelle Strategien
; Kollegiale Strategien

Die Band - ein Modell erfolgreicher Gruppenarbeit

Inhalt:
- Neue Organisations- und Beurteilungsmodelle
- Die Band - ein Modell kooperativen Lernens und Gestaltens

- Ein neues Bild von Unterricht: Lehrer/innen initiieren Kreative Felder
; Und wie geht das konkret?
- Wie sich ein Erfolgsteam bildet: Die Eierflugmaschine.

Literatur

Bornemann, Stefan (2011): Kooperation und Kollaboration – das Kreative Feld als Weg zu innovativer Teamarbeit. (in Druck).
Burow
, Olaf-Axel (2010): Herausragende Leistungen durch Lust & Leidenschaft im Kreativen Feld. In: Petzold Th. D. (Hrsg.): Lust und Leistung ... und Salutogenese. Autoren vom 5. Symposium für Salutogenese 2009 'Lust und Leistung'. Bad Gandersheim: Verlag Gesunde Entwicklung. (S.59-71)
Burow, Olaf-Axel
& Heinz Hinz (2005): Die Entdeckung des Kreativen Feldes – oder: Wie die Schule bzw. die Organisation laufen lernt. In: O.-A. Burow / H. Hinz (Hg.): Die Organisation als Kreatives Feld. Evolutionäre Personal- und Organisa- tionsentwicklung, 2005. Kassel: University Press. (S. 35-76)
Burow, Olaf-Axel
(2000): Ich bin gut - wir sind besser. Erfolgsmodelle kreativer Gruppen. Stuttgart: Klett-Cotta.
Burow, Olaf-Axel
(1999): Die Individualisierungsfalle. Kreativität gibt es nur im Plural. Stuttgart: Klett-Cotta.